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Wenn ich einem Menschen nur eine einzige Sache näher bringen dürfte, damit er sein Leben in eine völlig anderen Richtung lenken kann, dann wäre es wohl Dankbarkeit. Dankbarkeit scheint ein recht abgelutschter Begriff zu sein – und sofort fällt einem der evangelische Gassenhauer „Danke für diesen guten Morgen“ ein. Und doch ist Dankbarkeit etwas, das in dieser Welt, oder sagen wir wenigstens in dieser Gesellschaft, einfach Mangelware ist. Ein seltenes und kostbares Gut.

Natürlich lernen wir von Kindesbeinen an „Bitte“ und „Danke“ zu sagen, um einen höflichen Umgang miteinander zu gestalten. Aber etwas zu sagen, oder es wirklich zu fühlen sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Wie Dankbarkeit Dein Leben verändern kann

Oft werde ich gefragt, was ich denn mitnehme aus meinem Abenteuer, sieben Monate in der Wildnis gelebt zu haben. Die Antwort brauchte etwas Zeit, um in mir aufzusteigen, doch dann war sie sehr klar: Es ist Dankbarkeit. Dankbar für das was ich habe, für das, was ich bin, für all die anderen netten, aber auch scheinbar fürchterlichen Menschen um mich herum. Dankbarkeit für die Sonne, die Pflanzen – einfach für dieses Wunder hier und jetzt auf diesem Planeten zu sein.

Doch in wieweit konnte Dankbarkeit mein Leben verändern? Tatsächlich konnte ich einen Unterschied beobachten, ob ich mich in dem Feld der Dankbarkeit, oder im normalen Alltagsbewusstsein befand:

Im Alltagsbewusstsein

Wenn ich morgens raus bin, um Nahrung zu finden, und ich habe, wie so oft, einfach vor mich hin gebrummelt, gedankenversunken in inneren Dialogen verstrickt, dann habe ich eine feindlich Welt vorgefunden. Brombeerranken haben sich um meine Knöchel gelegt und mich ins Straucheln gebracht, Zweige flitschten in mein Gesicht. Steine lösten sich von Hängen um mich anzustupsen und Fliegen hatten nichts besseres zu tun, als mir ins Auge zu sausen. In diesem Moment entlud sich mein Zorn, und ich fing an, all das persönlich zu nehmen und die Schöpfung für mein Leid verantwortlich zu machen. Das war der Schöpfung natürlich herzlich egal und zu Essen gefunden habe ich dann auch nichts. Verletzt habe ich mich dabei nur selber.

Im Feld der Dankbarkeit

Wenn ich mich allerdings schon gleich morgens mit den Dingen verbunden habe, für die ich dankbar bin, hat sich alles verändert. Anfangs habe ich mir die einzelnen Dinge aufgezählt. Schließlich wurde mir klar, dass ich für so vieles dankbar bin und es eigentlich ein Bewusstseinszustand ist, in den man sich versetzen kann – ob durch Gebet, Erinnerung oder einfach durch eine innere Ausrichtung. Aus diesem Bewusstseinszustand heraus wurde die Natur zu einem Garten Eden: An den Brombeerranken wuchsen köstliche Früchte, die Zweige lockten mit leckeren Beeren. Und hinter dem gelösten Stein wuchsen schmackhafte Pilze.

Eine Frage der Perspektive, oder ein echtes Wunder?

War es die Welt, die sich veränderte, war es meine Sichtweise, mein Fokus darauf, oder war ich es selbst, der sich veränderte? Ich weiß es nicht! Ich habe gesehen, wie Menschen aus der Dankbarkeit heraus die Dinge gefunden haben, die sie gerade brauchten…und zwar an den unmöglichsten Stellen! Vielleicht nicht das, was sie wollten, aber das, was sie brauchten – und mir erging es da nicht anders. Natürlich ist die dankbare Einstellung kein Trick, um ein schönes Leben zu haben. Dann ist sie nicht authentisch und hat eben mit echter Dankbarkeit nichts mehr zu tun.

Seit diesem Abenteuer bin ich wirklich riesig dankbar für die Wiederentdeckung der Dankbarkeit.
Probier´s mal aus!

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Comments:

  • andrelorino
    Andreas
    Juli 12, 2017 at 6:22 pm

    Vielen herzlichen Dank für die inspirierenden Worte und Gedanken. Ich bin gerade genau an diesem Punkt, die Dankbarkeit für mich (wieder) zu entdecken und ihren Zauber zu erleben. Und ja, tricksen kann man dabei leider nicht, entweder man fühlt sie echt, oder es macht keinen Sinn. Ich war oft an dem Punkt wo ich mich gefragt habe, wie ich einen Weg zur Dankbarkeit finden kann, wenn sie gerade nicht da ist. Hast du ein Geheimnis dafür, was du verraten würdest? Danke und liebe Grüße!

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